Eine Solaranlage ist eine Investition von 10.000 bis 25.000 Euro – und sie steht ungeschützt auf dem Dach, Wind und Wetter ausgesetzt. Sturm, Hagel, Blitzschlag, Überspannung oder Marder können teure Schäden verursachen. Trotzdem ist vielen Anlagenbesitzern nicht klar, wie ihre PV-Anlage versichert ist – oder ob überhaupt. Wir klären auf, welche Versicherungen sinnvoll sind und was sie kosten.
Ist die Solaranlage über die Wohngebäudeversicherung gedeckt?
Die kurze Antwort: Teilweise, aber oft nicht ausreichend.
Viele Wohngebäudeversicherungen decken fest installierte Solaranlagen als Gebäudebestandteil mit ab. Das bedeutet: Schäden durch Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasser sind grundsätzlich versichert. Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen:
- Meldepflicht: Sie müssen Ihre Versicherung über die Installation der Solaranlage informieren. Viele Versicherer erhöhen die Versicherungssumme und den Beitrag entsprechend. Versäumen Sie die Meldung, riskieren Sie im Schadenfall die Leistung.
- Nicht abgedeckt: Diebstahl von Modulen, Überspannung durch Blitzschlag (indirekt), Tierbiss (Marder!), Bedienungsfehler, technische Defekte und Ertragsausfall sind in der Regel NICHT in der Standard-Wohngebäudeversicherung enthalten.
- Unterversicherung: Wenn die Solaranlage den Gebäudewert erhöht und die Versicherungssumme nicht angepasst wird, kann es im Schadenfall zu einer Unterversicherung kommen.
⚠️ Wichtig: Versicherer sofort informieren
Informieren Sie Ihre Wohngebäudeversicherung unmittelbar nach der Installation über die neue Solaranlage. Teilen Sie die Anlagengröße (kWp), den Wert und das Installationsdatum mit. Fragen Sie explizit, welche Risiken abgedeckt sind und welche nicht.
Die drei Versicherungsoptionen für Solaranlagen
Option 1: Wohngebäudeversicherung erweitern
Viele Versicherer bieten einen PV-Zusatzbaustein für die bestehende Wohngebäudeversicherung an. Der Aufpreis liegt typisch bei 30-80 € pro Jahr. Dieser Baustein erweitert den Schutz oft um Überspannung und manchmal auch um Ertragsausfall. Diebstahl und Tierbiss sind aber auch hier häufig ausgeschlossen.
Vorteile: Günstig, einfach, alles in einer Police.
Nachteile: Oft lückenhafter Schutz, nicht alle Risiken abgedeckt.
Option 2: Separate Photovoltaikversicherung
Eine dedizierte PV-Versicherung ist der umfassendste Schutz. Einen spezialisierten Vergleich für Solaranlagen-Haftpflicht finden Sie unter haftpflichtsolar.de. Sie deckt typischerweise ab:
- Sturm, Hagel, Blitzschlag, Feuer
- Überspannung und Kurzschluss
- Diebstahl und Vandalismus
- Tierbiss (Marder, Vögel)
- Schneedruck und Eisgang
- Bedienungsfehler und Fahrlässigkeit
- Technische Defekte (Wechselrichter, Speicher)
- Ertragsausfallversicherung (entgangene Einspeisevergütung und Eigenverbrauchswert)
Kosten: Ca. 80-150 € pro Jahr für eine 10-kWp-Anlage.
Vorteile: Rundum-Schutz, klare Bedingungen.
Nachteile: Zusätzliche Police, etwas teurer als der Gebäudeversicherungs-Baustein.
Option 3: Allgefahrenversicherung (Elektronikversicherung)
Die umfassendste und teuerste Variante. Eine Allgefahrenversicherung deckt grundsätzlich jeden Schaden ab, der nicht explizit ausgeschlossen ist (umgekehrte Beweislast). Das schließt auch unvorhergesehene Ereignisse ein, die in einer Standard-PV-Versicherung nicht aufgeführt sind.
Kosten: Ca. 100-200 € pro Jahr für eine 10-kWp-Anlage.
Vorteile: Maximaler Schutz.
Nachteile: Am teuersten, für die meisten Privathaushalte überdimensioniert.
Unsere Empfehlung
Für die meisten Eigenheimbesitzer in Hamburg ist Option 2 (separate PV-Versicherung) das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei 100-150 € pro Jahr – also unter 0,5% der Anlagenkosten – haben Sie einen umfassenden Schutz, der alle relevanten Risiken abdeckt. Besonders der Schutz vor Tierbiss (Marder zernagen Kabel und verursachen Brand- und Überspannungsschäden) und Ertragsausfall fehlt in der Wohngebäudeversicherung fast immer.
Wenn Ihre Wohngebäudeversicherung einen guten PV-Baustein anbietet, kann aber auch Option 1 ausreichen – prüfen Sie die Bedingungen genau.
Besonderheiten in Hamburg: Sturmschäden und Marder
Zwei Risiken sind in Hamburg besonders relevant:
Sturm und Extremwetter
Hamburg ist eine windexponierte Stadt an der Nordsee. Herbststürme können erhebliche Kräfte auf Solarmodule ausüben. Besonders Flachdach-Anlagen mit Aufständerung müssen korrekt gegen Windlast gesichert sein. Ein Sturmschaden kann die komplette Anlage zerstören – ohne Versicherung ein Totalverlust von 15.000-25.000 €.
Marderbiss
Marder sind in den Hamburger Vororten (Rahlstedt, Volksdorf, Bergedorf, Harburg) weit verbreitet und zernagen gerne die Kabel von Solaranlagen. Die Folge: Kurzschluss, Ertragsausfall, im schlimmsten Fall Brandgefahr. Marderschäden sind in der Wohngebäudeversicherung fast nie abgedeckt, in der PV-Versicherung aber Standard.
Ertragsausfallversicherung: Brauche ich das?
Eine Ertragsausfallversicherung ersetzt Ihnen den entgangenen Ertrag (Eigenverbrauchswert + Einspeisevergütung), wenn Ihre Anlage aufgrund eines versicherten Schadens stillsteht. Bei einer 10-kWp-Anlage in Hamburg sind das ca. 6-8 € pro Tag im Jahresdurchschnitt, im Sommer bis zu 15 € pro Tag.
Wenn eine Reparatur nach einem Sturmschaden 4 Wochen dauert, verlieren Sie ohne Ertragsausfallversicherung ca. 200-400 €. Die Versicherung kostet nur wenige Euro pro Jahr extra und ist in den meisten PV-Versicherungen bereits enthalten.
Checkliste: Solaranlage richtig versichern
- Wohngebäudeversicherung informieren – sofort nach Installation, Versicherungssumme anpassen
- Bestehenden Schutz prüfen – welche Risiken sind abgedeckt, welche nicht?
- Angebote für PV-Versicherung einholen – Vergleichsportale nutzen (z.B. Check24, Verivox)
- Auf Ertragsausfall achten – sollte in der Police enthalten sein
- Selbstbeteiligung prüfen – 150-300 € sind üblich und akzeptabel
- Haftpflichtversicherung prüfen – Ihre private Haftpflicht sollte Schäden durch die PV-Anlage an Dritten abdecken (z.B. herunterfallende Module)
- Rechnungen aufbewahren – Kaufbeleg, Installationsdokumentation und Modultyp für den Schadenfall
Häufige Fragen zur Solaranlagen-Versicherung
Kann ich die Versicherung steuerlich absetzen?
Bei steuerbefreiten Anlagen (bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern) können Versicherungsbeiträge nicht als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Die Kosten sind aber mit 80-150 €/Jahr überschaubar.
Deckt die Versicherung auch den Speicher ab?
Die meisten PV-Versicherungen decken auch den Batteriespeicher als Teil der Anlage mit ab. Prüfen Sie aber die Bedingungen – manche Versicherer begrenzen die Deckungssumme für Speicher.
Was ist bei einer finanzierten Anlage?
Bei einem Solarkredit verlangt die finanzierende Bank in der Regel eine Nachweise über den Versicherungsschutz. Eine PV-Versicherung ist in diesem Fall praktisch Pflicht.
Muss ich Schäden melden, auch wenn ich keinen Schaden sehe?
Wenn Sie nach einem starken Sturm sichtbare Beschädigungen oder einen Ertragsrückgang bemerken, sollten Sie dies der Versicherung melden und einen Fachbetrieb zur Inspektion beauftragen.
Solaranlage planen – inkl. Versicherungsberatung
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Wenn ein Schaden an Ihrer Solaranlage auftritt – ob durch Sturm, Marder oder technischen Defekt – gehen Sie am besten so vor: Dokumentieren Sie den Schaden sofort mit Fotos und notieren Sie das Datum. Melden Sie den Schaden innerhalb von 48 Stunden Ihrer Versicherung. Beauftragen Sie einen Fachbetrieb mit der Inspektion und Schadensbewertung. Lassen Sie keine Reparaturen durchführen, bevor die Versicherung den Schaden freigegeben hat – außer bei Gefahr im Verzug. Bewahren Sie alle Rechnungen für die Versicherungsabwicklung auf. Bei einem Ertragsausfall dokumentieren Sie den Zeitraum über die Monitoring-App Ihres Wechselrichters.