Viele Eigenheimbesitzer glauben: „Ich habe eine Solaranlage, also habe ich bei Stromausfall Strom." Das stimmt so nicht. Eine Standard-PV-Anlage schaltet sich bei Stromausfall aus Sicherheitsgründen sofort ab. Nur mit einer speziellen Notstrom- oder Ersatzstromfunktion können Sie bei einem Blackout weiter Ihren eigenen Solarstrom nutzen. Hier erklären wir die Unterschiede und was Sie brauchen.
Warum schaltet sich eine Solaranlage bei Stromausfall ab?
Der Grund ist Sicherheit. Ihr Wechselrichter ist ans öffentliche Stromnetz gekoppelt. Fällt das Netz aus, muss der Wechselrichter sofort abschalten – sonst würde er Strom ins tote Netz einspeisen und Netztechniker bei Reparaturarbeiten gefährden. Diese Abschaltung (sog. NA-Schutz) ist gesetzlich vorgeschrieben und in jedem zertifizierten Wechselrichter eingebaut.
Das bedeutet: Ohne spezielle Zusatzfunktion haben Sie bei Stromausfall keinen Strom – egal wie hell die Sonne scheint und wie voll Ihr Speicher ist.
Notstrom vs. Ersatzstrom: Der wichtige Unterschied
Notstromfunktion (Basisschutz)
Bei einem Stromausfall stellt der Wechselrichter eine begrenzte Steckdose zur Verfügung (meist eine einzelne Schuko-Steckdose am Speicher oder Wechselrichter). Darüber können Sie einzelne Geräte versorgen: Handy laden, Kühlschrank betreiben, Licht. Die Umschaltung ist nicht automatisch – Sie müssen das Gerät manuell anschließen.
- Leistung: typisch 2.000–3.000 Watt
- Umschaltzeit: manuell, einige Minuten
- Kosten: In vielen modernen Speichern bereits enthalten oder geringer Aufpreis
Ersatzstromfunktion (Vollversorgung)
Die Anlage bildet bei Netzausfall automatisch ein eigenes „Inselnetz" und versorgt Ihr gesamtes Haus weiter mit Strom. Die Umschaltung erfolgt automatisch innerhalb von Sekunden. Sie merken den Stromausfall im besten Fall gar nicht.
- Leistung: bis zu 10.000 Watt und mehr (ganzes Haus)
- Umschaltzeit: automatisch in unter 20 Sekunden
- Kosten: deutlich höher – spezielle Wechselrichter und Verdrahtung nötig (ca. 2.000–5.000 € Aufpreis)
💡 Kurz gesagt
Notstrom = eine Steckdose für Notfälle. Ersatzstrom = Ihr ganzes Haus läuft weiter. Die meisten Eigenheimbesitzer sind mit der einfachen Notstromfunktion gut bedient, da längere Stromausfälle in Hamburg selten sind.
Was brauche ich für Notstrom?
Für eine funktionierende Notstromversorgung brauchen Sie drei Dinge:
- Einen Batteriespeicher: Ohne Speicher kein Notstrom – die Module allein können bei Netzausfall keinen stabilen Strom liefern.
- Einen notstromfähigen Wechselrichter: Nicht jeder Hybrid-Wechselrichter hat eine Notstromfunktion. Achten Sie bei der Auswahl darauf (gängige Modelle mit Notstrom: Fronius, SMA, Huawei, BYD, E3/DC).
- Korrekte Installation: Die Notstrom-Umschaltung muss fachgerecht installiert werden, insbesondere die Trennung vom öffentlichen Netz.
Wie lange hält der Speicher bei Stromausfall?
Das hängt vom Speicher und Ihrem Verbrauch ab. Beispielrechnung:
- 10 kWh Speicher, Grundlast 500 Watt (Kühlschrank, Licht, Router): ca. 20 Stunden
- 10 kWh Speicher, normale Nutzung 1.500 Watt: ca. 6-7 Stunden
- Bei Sonnenschein: Der Speicher wird tagsüber von den Modulen nachgeladen – theoretisch unbegrenzt, solange die Sonne scheint
Für einen typischen Stromausfall in Hamburg (meist wenige Stunden) reicht ein 10 kWh Speicher mit Notstrom völlig aus.
Lohnt sich Ersatzstrom in Hamburg?
Ehrlich gesagt: Für die meisten Hamburger Eigenheimbesitzer ist die Ersatzstromfunktion ein „Nice-to-have", kein „Must-have". Hamburg hat eines der stabilsten Stromnetze Europas. Längere Stromausfälle sind extrem selten. Die Basis-Notstromfunktion (einzelne Steckdose) reicht für den typischen Ausfall von 30-120 Minuten völlig aus.
Sinnvoll kann Ersatzstrom sein, wenn Sie auf medizinische Geräte angewiesen sind, ein Home-Office betreiben das nicht ausfallen darf, oder ein besonderes Sicherheitsbedürfnis haben.
Notstrom bei der Planung berücksichtigen
Wenn Sie eine neue Solaranlage planen, sprechen Sie das Thema Notstrom direkt an. Es ist deutlich günstiger und einfacher, die Notstromfunktion von Anfang an mit einzuplanen, als sie nachträglich zu installieren. Achten Sie bei der Angebotseinholung darauf, ob der angebotene Wechselrichter und Speicher notstromfähig sind.
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Kann ich Notstrom auch nachträglich einbauen?
Ja, wenn Ihr Wechselrichter und Speicher notstromfähig sind. Die elektrische Umschaltung muss aber von einem Fachbetrieb installiert werden. Nachträgliche Installation kostet ca. 500-2.000 € mehr als die Mitplanung von Anfang an.
Funktioniert Notstrom auch nachts?
Ja – solange der Speicher geladen ist. Der Speicher gibt den gespeicherten Strom auch ohne Sonne ab. Tagsüber laden die Module den Speicher nach, sodass Sie bei Sonnenschein theoretisch unbegrenzt versorgt sind.
Welche Geräte kann ich mit Notstrom betreiben?
Bei der Basis-Notstromfunktion (eine Steckdose, 2-3 kW): Kühlschrank, Licht, Router, Handyladung, Laptop. Nicht gleichzeitig: Herd, Durchlauferhitzer oder Waschmaschine. Bei Ersatzstrom (ganzes Haus): Alles was auch sonst läuft.
Wie oft fällt in Hamburg der Strom aus?
Selten. Die durchschnittliche Ausfallzeit in Hamburg liegt bei unter 15 Minuten pro Jahr. Längere Ausfälle durch Extremwetter oder Netzstörungen sind möglich, aber selten. Für die meisten Haushalte ist die Basis-Notstromfunktion daher ausreichend.